Was bedeutet Purge oder Flushing?
Bei einem Single-Nozzle-Multi-Material-System bleibt nach einem Wechsel noch Material des vorherigen Filaments in Schmelzzone und Düse. Purge/Flushing bezeichnet die definierte Menge, die ausgestoßen wird, bis Farbe beziehungsweise Polymer ausreichend sauber gewechselt haben.
Warum ist die Menge richtungsabhängig?
Ein Wechsel von Schwarz zu Weiß benötigt meist mehr Reinigung als Weiß zu Schwarz. Auch zwei unterschiedliche Polymere können sehr andere Übergänge erzeugen als zwei Farben desselben Materials. Deshalb ist eine Flush-Matrix sinnvoller als ein einziger pauschaler Wert.
Zu wenig und zu viel Purge
Zu wenig kann sichtbare Farbvermischung, schwache Materialgrenzen oder problematische Vermischung inkompatibler Polymere verursachen. Zu viel erhöht Abfall und Druckzeit, ohne die Bauteilqualität weiter zu verbessern. Das Ziel ist nicht die kleinste Zahl, sondern die kleinste zuverlässig ausreichende Menge.
Wohin wird gespült?
Der Slicer kann Übergangsmaterial klassisch in einen Abwurf, eine Purge-Struktur oder einen Prime Tower leiten. OrcaSlicer kann einen Teil außerdem in Infill oder Support umleiten. Das spart externen Abfall, ist aber nicht automatisch für jedes Bauteil geeignet: Bei hellen oder transparenten Wänden kann die Mischfarbe sichtbar werden, und bei unterschiedlichen Polymeren muss die mechanische Verträglichkeit berücksichtigt werden.
Flush into Infill ist kein „kostenloses“ Purge
Die benötigte Übergangsmenge verschwindet nicht – sie wird nur an einer anderen Stelle des Drucks genutzt. Deshalb sollte man die Flush-Menge nicht zusätzlich reduzieren, nur weil das Material ins Infill umgeleitet wird.
Praxisworkflow
- Wechselzahl im Modell reduzieren, wenn das Design es erlaubt.
- Übergänge paarweise und richtungsabhängig bewerten.
- kritische Farbkombinationen mit einem kleinen Test verifizieren.
- erst danach Flush into Infill/Support und Tower optimieren.
Gerade bei häufigen Farbwechseln hat die Anzahl der Wechsel oft größeren Einfluss auf Abfall und Druckzeit als eine aggressive Kürzung jeder einzelnen Spülmenge.
OrcaSlicer beschreibt Flush into Infill und Flush into Support als Möglichkeiten, notwendiges Spülmaterial in bestehende Modellbereiche umzuleiten.

